FAQ

Submitted by claudia on Wed, 04/01/2009 - 18:54.

1. Übersetzen und Dolmetschen – was ist eigentlich der Unterschied?

Übersetzen ist schriftlich, Dolmetschen ist mündlich. Beide Tätigkeiten erfordern z. T. unterschiedliche Kompetenzen, beim Dolmetschen muss man z.B. sehr schnell möglichst gute Lösungen finden, während man beim Übersetzen Zeit hat und Hilfsmittel konsultieren kann (Wörterbuch, Internet). Ein guter Übersetzer ist deswegen nicht automatisch ein guter Dolmetscher und umgekehrt. Beiden gemeinsam sind natürlich umfassende und gründliche Kenntnisse der zu übersetzenden Fremdsprache und der eigenen Muttersprache. Es gibt nur ganz wenige Menschen, die beide Tätigkeiten gleich gut ausüben können.

2. Wie viel kostet eine Übersetzung?

Sehr oft treffen Kunden eine Entscheidung nur über den Preis. Aber auch hier gilt wie überall: you get what you pay for. So wie man einen Mercedes nicht für den Preis eines Ladas bekommen kann, kann man eine gute Übersetzung und einen guten Dolmetscher auch nicht für den Preis eines Babysitters bekommen, auch wenn manche das leider immer noch glauben. Aber: ein hoher Preis garantiert auch keine Qualität. Was kostet also beim Übersetzen: der Übersetzer hat eine gründliche akademische Ausbildung hinter sich, die Zeit, Energie und Geld gekostet hat. Wenn sie Ihre Cousine Hertha bitten, die Übersetzung zu machen, weil sie ein halbes Jahr in London war, dann hat Hertha keine Ahnung von Lokalisierung, Ihrem Zielpublikum und was es kosten kann, wenn Ihre Übersetzung im Englischen, z.B. auf Ihrer Homepage, Sie Kunden verlieren lässt. Diese glauben nämlich leicht, dass Sie weder sorgfältig sind noch höflich – bei diesem Englisch! Ein professioneller Übersetzer bildet sich auch ständig weiter, besorgt sich Fachliteratur und Wörterbücher – bei den exotischen Sprachen wie z.B. dem Finnischen kosten diese oft ein Vermögen. Ein guter Übersetzer hat auch einen guten Ruf zu verlieren – er oder sie wird deswegen ein Produkt liefern, hinter dem er stehen kann (anders als Hertha!). Er / Sie klärt auch kniffelige Fragen und liefert kein halbfertiges Produkt ab.
Ein guter Übersetzer erkundigt sich genau, für welchen Zweck Sie die Übersetzung benötigen; wenn Sie diese z.B. nur zur Information benötigen, erhalten Sie „nur zur Information“ oft schneller und günstiger als wenn die Übersetzung veröffentlicht werden soll.
Oft können Sie sich an einen guten Übersetzer auch noch nach Auftragserledigung wenden, wenn Sie z.B. nur mal eben wissen wollen, wie Sie Ihren Gesprächspartner in seiner Sprache begrüßen können. Bei einem Einmann- bzw. Einfraubetrieb können Sie diesen Service fast erwarten – nicht jedoch, wenn Sie den Auftrag an ein großes Übersetzungsbüro geben und Sie nicht einmal wissen, wer die Übersetzung für Sie macht.

3. Und wie viel kostet ein Dolmetscher?

Was für den Übersetzer gilt, ist auch für den Dolmetscher zutreffend. Hier wird sogar der absolute Laie kaum in die Versuchung geraten, sich selbst in die Kabine zu setzen und „simultan“ dolmetschen zu versuchen. Wer es jemals gemacht hat, ist nach zwei Minuten oft heulend aus der Kabine heraus gekommen! Wer hier keine Ausbildung und kein Training hat, geht erbarmungslos unter. Der Dolmetscher muss bei der Preiskalkulation auch die Vorbereitung mitrechnen, insbesondere wenn die zu dolmetschenden Themen besonders kompliziert und neu für ihn sind. Kein ernstzunehmender Dolmetscher wird z.B. zu einem Besuch eines Atomkraftwerkes unvorbereitet erscheinen, sondern sich vorher zuhause über die verschiedenen Reaktortypen und deren Bezeichnungen in den verschiedenen Sprachen informiert haben. Eine Faustregel lautet: ein Tag Dolmetschen, ein Tag Vorbereitung. Außerdem bezahlen Sie beim Dolmetschen auch die Erfahrung: wenn jemand schon jahrelang Geschäftsverhandlungen gedolmetscht hat, wird keine Situation (= kein Vokabular) auftauchen, die sensationell neu sein könnte.

Weder Übersetzen noch Dolmetschen sind Tätigkeiten, die jemand nur aufgrund von Fremdsprachenkenntnissen ausüben könnte. Wenn das so wäre, dann könnte man auch den Fahrern von Seifenkisten gleich den Führerschein aushändigen, schließlich können sie ja auch fahren und kommen von A nach B!

Ein anderer Vergleich: die EU stellt z.B. nur Beamte ein, die über sehr gute Kenntnisse in mindestens zwei (oft sogar drei) Amtssprachen der EU verfügen. Wenn also alle EU-Beamten sowieso sehr gute Fremdsprachenkenntnisse haben, dann könnten diese ja auch gleich ihre Texte übersetzen (so die Logik vieler). Aber nein: dafür gibt es eigene Übersetzer, die z.B. beim Rat auch verpflichtend eine Jura-Ausbildung hinter sich haben! Mit anderen Worten: Fachleute und Spezialisten. Wenn Sie also im Ausland professionell auftreten wollen, dann geben Sie sich nicht mit Cousine Hertha zufrieden sondern nehmen Sie diejenigen, die eine entsprechende Ausbildung dafür haben! Oder würden Sie sich von einem Medizinstudenten im zweiten Semester das gebrochene Bein operieren lassen wollen?

Ein Tagessatz von ca. 700 Euro netto für einen Dolmetscher ist im Allgemeinen angemessen. Wenn Ihnen jemand ein deutlich niedrigeres Angebot macht, dann fragen Sie nach: arbeitet die Person etwa schwarz? Oder handelt es sich um einen blutigen Anfänger, der von der Kalkulation im neuen Beruf noch keine Ahnung hat? Irgendeinen Haken gibt es dann immer.